AHLENER ZEITUNG - DIENSTAG, 22. MÄRZ 2011
Birth Control rocken die Molkerei
VON THEO THEISSEN
Der neue Mann bei Birth Control: Martin "Ludi" Ettrich übernahm nach dem Ausstieg von Peter Engelhardt den Gitarrenpart.
(Foto: Christian Gores)
Bocholt - Für zwei Stunden drehten Birth Control in der Alten Molkerei die Zeit zurück. Mit Stücken wie "The work is done", der Single "Hope" von 1970, die nie auf einem Album erschien, oder dem Klassiker "Gamma Ray" erinnerten Bernd "Nossi" Noske und seine Mitstreiter an die Glanzzeiten der Band. Birth Control gehört zu den Mitbegründern des deutschen "Krautrocks" und ist seit über 40 Jahren auf Tour.
Sascha Kühn (Keyboards), "Nossi" (Gesang, Schlagzeug, Perkussion), Hannes Versper (Bass) und Martin "Ludi" Ettrich (Gitarre) rockten die Molkerei, dass es eine wahre Freude war. Der Bandneuling am Sechssaiter fügte sich nahtlos in die Gruppe ein. Ideenreich, mit viel Gefühl und einem "Mördersound" ließ er es in seinen Soli krachen und brachte auf der Bühne genau das Maß an Selbstdiziplin mit, das nötig ist, um jedem einzelnen Musiker in der Band genügend Freiraum zur Entfaltung zu geben. Ettrich tritt die Nachfolge des langjährigen Gitarristen Peter Engelhardt an, nachdem dieser sich künftig verstärkt anderen Projekten widmen möchte. Mit Wahwah, Verzerrer und anderen Effekten spielte er sich in große Höhen und erhielt dafür immer wieder verdienten Zwischenapplaus - unter anderem auch von Anja Stahlke und Mario Schlaak. Die beiden Birth-Control-Fans reisten eigens für das Konzert aus Oberhausen und Grevenbroich nach Bocholt. "Wir fahren der Band hinterher, um kein Konzert zu verpassen", sagte Stahlke.
Ihre Sternstunden hatten auch die übrigen Bandmitglieder, allen voran "Nossi", der seine Qualitäten als Drummer in einem mitreißenden Schlagzeugsolo bewies. Woher der inzwischen 64-Jährige seine Energie nimmt, um als Sänger, Schlagzeuger und Frontman über zwei Stunden lang die Show zu dominieren, bleibt sein Geheimnis. Aber ihn live zu erleben, ist immer wieder ein besonderes Erlebnis.
In ihrem Programm griffen Birth Control tief in die Song-Schatzkiste vergangener Tage. So spielten sie gleich mehrere Stücke aus ihrem 1975 veröffentlichten Album "Plastic People". Im aktuellen Sound hat die Kraft ihrer komplexen, von Harmonie- und Rhythmuswechseln getragenen Musik bis heute nichts an Aktualität verloren. So gab es für die begeisterten Zuhörer in der ausverkauften Molkerei auch kein Halten mehr, als die Band zum Schluss des Konzertes ihren großen Hit "Gamma Ray" in einer 30-minütigen Fassung spielte, die alle mitriss. Kein Wunder, dass sich Birth Control erst nach zwei Zugaben verabschieden durften.
Artikel schliessen